Ein Wochenende in der goldenen Stadt – „You got raped or robbed?“

„You got raped or robbed?“

Nein! Macht Euch keine Sorgen. Es war Letzteres. Doch dazu später.

Ich war übers Wochenende mit zwei Freundinnen und einem Freund in Prag. Ich gebe zu, dass wir nicht unbedingt der Kultur wegen da waren, doch das kann man sich ja denken. Sehen wir es ein: Prag ist vor allem dafür bekannt, dass sich alle möglichen jungen Leute dort übers Wochenende vergnügen und die Stadt wohl eher nur bei Nacht oder im Morgengrauen sehen.

Doch wir, als durchaus kunst- und kulturinteressierte Menschen, haben auch etwas Zeit für eine kleine Sightseeingtour durch die goldene Stadt gehabt. Doch der Reihe nach:

Am Samstag Abend erreichte unser gut klimatisierter Fernbus Prag, wir sammelten unser Gepäck zusammen und machten uns auf den Weg zu unserem Hostel, von dem wir leider nicht die genaue Adresse hatten, sondern nur einen Screenshot von google Maps. Wir machten uns also frohen Mutes auf den Weg, durchquerten einige Straßen, die wir gefühlsmäßig aussuchten und mussten schnell feststellen, dass wir so nicht sehr weit kommen würden. Also entschlossen wir uns, einen gutbeleibten Busfahrer mit Deutschlandtshirt zu fragen, ob er uns weiterhelfen könnte. Nachdem sich rausgestellt hatte, dass er der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein schien, wies er jedoch selbstsicher in eine Richtung und nickte immer wieder. Wir marschierten also weiter, bis wir zu einem Stadtplan kamen, wo wir merkten, dass wir in genau die entgegengesetzte Richtung gegangen waren. Wir bündelten also noch ein Mal alle Kräfte und liefen von S-Bahn Station zu S-Bahn Station, bis wir zu einem McDonalds kamen, bei dem wir uns alle in WLAN einloggten, um die Adresse noch ein Mal rauszusuchen und ein Lebenszeichen an die weite Welt zu senden. 🙂

Nachdem wir den 2 km Lauf zu unserem Hostel (was wirklich sehr sehr weit von der zu erst genannten Richtung entfernt war) hinter uns gebracht hatten, fielen wir erschöpft in unsere durchgelegenen Betten und ruhten uns kurz aus, bevor wir uns in Nachtleben stürzten.

Wir hatten im Internet einen Klub gefunden, der ziemlich nah am Wenzelsplatz lag und trotz dessen erstaunlich niedrige Preise hatte und gute Musik spielte. Dort angekommen, bestaunten wir die unglaublich kreative Einrichtung der Bar und die vielen Touristen, die sich in den Raum quetschten. Doch nachdem wir uns auf die Tanzfläche begeben hatten, stellten wir fest, dass sich hier wirklich coole Touristen rumtrieben: Viele alternative, junge Menschen, aus allen möglichen Teilen der Welt, die wie auch die Djs sehr locker im Umgang mit Drogen zu sein schienen. 😉
Dass an diesem Abend viel Alkohol floss, muss ich ja nicht noch extra schreiben. Doch weil wir den kompletten Weg zum Hostel zurückliefen, kamen wir ziemlich nüchtern zu Hause an, wo wir auch sofort in tiefen Schlaf fielen und erst zur Mittagszeit wieder erwachten.

Am Sonntag nahmen wir dann also ein sehr sehr spätes Frühstück zu uns, was aus Tortellini, Eis und bei unserem Freund aus dem ersten Bier bestand und machten uns auf den Weg, die Stadt anzusehen.

Wir schlenderten im herrlichsten Sonnenschein über alle schönen Plätze, liefen durch kleine verwinkelte Gässchen und bestaunten die ganze Zeit die wunderschönen Gebäude, die dort schon so lange stehen und die Stadt einfach einzigartig machen. Nachdem wir auch den Weg zum Schloss hochgequält hatten, genossen wir dort auf einem warmen Mäuerchen die letzten Sonnenstrahlen und blickten auf die Dächer Prags.

Wieder zu Hause machten wir uns bereit für die letzte und wirklich wilde Nacht in Prag. Und so kamen wir mit bester Laune im selben Klub, wie eine Nacht zuvor an und tanzten dort, bis uns die Füße wehtaten. Ich war gerade in eine spannende Diskussion mit einem Kerl aus unserem Hostel verwickelt (er und seine Freunde waren zum Glück auch in diesem Klub! Warum, kommt gleich), als meine Freundin zu mir kam und mir erklärte, dass ihre Tasche, mit unseren Ausweisen, Handys und dem Hostelschlüssel verschwunden ist. Völlig verzweifelt (und vergeblich) versuchten wir in den nächsten 10 Minuten zwischen tanzenden Menschen die Tasche zu finden. Nachdem wir aufgegeben hatten, beschlossen meine eine Freundin und ich zum Hostel zu fahren, wo wir mit den anderen Leuten aus dem Hostel durch die erste Tür, leider aber nicht unsere Zimmertür kommen würden.

Nach einer rasanten Fahrt, bei der wir uns zu viert auf die Rückbank des Taxis quetschten, kamen wir im Hostel an, wo wir den Chef aus dem Bett, der uns ziemlich genervt (er war wahrscheinlich sehr sehr müde) die Tür aufschloss und wir mit unseren Rettern aus dem Hostel auf den Schrecken ein Paar Bier tranken (und Salzstangen aßen, um den Magen zu beruhigen 🙂 )

Irgendwann steckte ein junger Kerl den Kopf durch die Tür, begrüßte uns in schönem Australisch fragte, was wir hier täten. Wir: „We just got robbed!“. Er: „You got raped or robbed?“ Wir stellten die Sache noch ein Mal klar und er verabschiedete sich mit Worten von uns, die einfach unmöglich zu verstehen waren und hüpfte die Treppen zu seinem Zimmer hinauf. (Meine Freundin und ich „hüpften“ wenig später auch in unser Zimmer.)

Ein paar Stunden später wurden wir aus dem Schlaf gerissen, öffneten unseren Freunden die Tür und legten uns noch ein Mal für 2 Stunden nieder.

Nachdem wir den Schlüssel und unser Hostel bezahlt hatten, warteten wir 1 Stunde auf der Straße vor unserem Hostel auf einen Freund, mit dem wir spontan mitfahren konnten. In dieser Zeit machten wir Bekanntschaft mit einem beleibten Mann, der uns oberkörperfrei (kein schöner Anblick) von seinem Fenster aus beobachtete, zwei Polizisten, die in ihrem Auto saßen und sich die Zeit damit vertrieben,  Tick Tack zu essen und sich über uns zu amüsierten und einer Kellnerin, die auf der Terrasse eines Cafés saß und nicht servieren konnte, weil das Wasser im Haus ausgefallen war. 🙂 Wir hatten sichtlich Spaß an der ganzen Situation und doch waren wir so unglaublich müde, dass wir uns einfach nur auf unsere Betten freuten.

Die Heimfahrt ging schnell vorbei. Ich kam zu Hause an und sank sofort auf die Matratze und schlief bis zum nächsten Tag, an dem ich mich fragte, ob dieses Wochenende wirklich passiert ist oder ob ich das alles nur geträumt hatte.

Doch mein Handy war immer noch weg. Na ja: Life is a bitch!

Habt einen schönen Abend und wenn ihr nach Prag fahrt, seit nicht so leichtsinnig, wie wir, aber habt Spaß! 🙂

Euer Camillenbluetchen

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